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Plattl-Chronik

Entstehung des Schuhplattlers

Bereits vor mehr als 125 Jahren hat der Mundartdichter Karl Stieler den Schuhplattler beschrieben und von ihm stammte der Vergleich mit dem balzenden Auerhahn. Der Schuhplattler wird zu den Werbetänzen gezählt. Der Bursch wirbt durch sein kraftvolles Springen, Tanzen und Schlagen um die Gunst des Mädels. Dies geschah alles völlig frei in der Tanzgestaltung ohne feste Formen und Regeln.

Nachweislich gab es 2 Jahrzehnte vor der Gründung des ersten Trachtenvereins 1883 in Bayrischzell durch den Lehrer Joseph Vogel schon Schuhplattlergruppen, eine davon in Miesbach. Durch Reisen und Auftritte wurde der Schuhplattler im Land und vor allem auch am Hofe der Wittelsbacher bekannt.
Zu dieser Zeit hatte der Schuhplattler bereits seinen vereinsmäßigen Charakter. Er wird in der Gruppe ausgeführt, die Schläge und Stampfer sind einheitlich und von der Werbung um das Dirndl ist wenig zu spüren.

An der Art wie geplattlt wird, erkennt der Profi aus welchem Gebiet die Gruppe kommt. Viele Vereine und Trachtengaue haben ihren eigenen Plattler. Der "Reit im Winkler" und der "Haushamer" zählen zu den bekanntesten.
Der Plattler wird normalerweise paarweise getanzt, das heißt, der Bursch dreht sein Dirndl aus, plattlt auf die Landlermelodie und fängt zum Trio das Dirndl wieder ein.
Eine andere Grundform wird in den Gebieten des Gauverbandes I und des Chiemgauer Alpenverbandes praktiziert. Dort ist die Form des reinen Burschenplattlers erhalten. Ein Bursch betritt den Tanzboden, die anderen folgen ihm mit schnalzenden und patschenden Handbewegungen. Bei der Wiederholung der Melodie wird dann geplattlt. Und diese Art des reinen Burschenplattlers wollen wir pflegen.

Geschichte des Schuhplattlers

Der Schuhplattler gehört zweifellos zu den markantesten bayerischen Ausdrucksformen. Das Wort Schuhplattler erklärt sich daraus, dass sich der Tänzer mit den Händen auf die Schuhe (richtiger auf die Schuhsohlen) schlägt. Seine "Erfinder" waren einfache Leute: Bauern, Jäger, Holzknechte. Schwierig ist es den genauen Ursprung und die Geschichte des Schuhplattlers darzustellen.

In der von einem Mönch des Klosters Tegernsee  um 1050 gefassten Ritterdichtung "Ruodlieb" wird ein dörflicher Tanz beschrieben. Die darin enthaltene Schilderung von "Sprung und Handgebärde im Tanz", könnte tatsächlich auf eine frühe Form des Schuhplattlers hinweisen.

Als 1838 die Kaiserin von Russland in Wildbad Kreuth zur Kur weilte, da ehrten sie die Einheimischen mit einer Tanzvorführung, die dem Schuhplattler schon sehr nahe kam.

Der Bursch konnte sich während des Tanzes nach freiem Ermessen zur Landler Melodie bewegen. Figuren zeigen, springen schnaggln und platteln, während sich sein Dirndl weiter im Takt drehte und erst zum Rundtanz von ihm eingeholt wurde. Das unreglementierte, freie Platteln nannte man das "bairisch" Tanzen.

Etwa von der Mitte des 19. Jahrhunderts an setzte sich die Vereinheitlichung der Schuhplattler Tanzbewegungen durch. Das sogenannte Gruppen-platteln kam auf. Am 15. Juli 1858 wurde im Oberland ein Schuhplattler Tanz, anlässlich einer Reise  von König Max II durch das bayerische Gebirge, aufgeführt.

1861 hat sich in Miesbach ein "Gemütlichkeits-Verein" gegründet der sich 1866 in "Schuhplattler-Gesellschaft" umbenannte.

Joseph Vogl gründete 1883 in Bayrischzell den "Verein für Erhaltung der Volkstracht im Leizachthale" Von diesem Zeitpunkt ab entwickelte sich das vereinsmäßige Platteln in den Trachtenvereinen.

Es gibt etwa 150 unterschiedliche Schuhplattlertänze und in dem Gebiet zwischen Königsee im Osten und Bodensee im Westen, zwischen Donau im Norden und Tiroler Grenze im Süden, in dem der Schuhplattler bodenständig ist, lassen sich noch  landschaftliche Unterschiede feststellen

Wo immer er gepflegt wird oder zu sehen ist, wird mit ihm unmittelbar bayerisches Brauchtum und urtümliche Lebensfreude verknüpft.

Aus Heimat- und Trachtenbote Nr. 17 / 1986 + 5 / 1987 + 2 / 1991

Der Burschenplattler

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Schuhplattler noch der freie improvisierende paarige Liebeswerbetanz. Aus diesem heraus entwickelte sich das gleichzeitige gemeinsame Platteln. Burschen aus der Ramsau fingen in der Biedermeierzeit damit an. Es wurden immer schwierigere Schlagfolgen ersonnen. Um sie zu beherrschen mussten die Burschen fleißig proben, bei welchen aber die Mädchen überflüssig waren. Bald ging man noch einen Schritt weiter und verzichtete auch bei den Tanzaufführungen auf die Mädchen.

Die Miesbacher Schuhplattler-Gesellschaft kam zu Schauvorführungen in die Städte. Waren Dirndl dabei, so war das lieb, aber die eigentliche Sensation waren die Burschen. Sie brauchten nun nicht mehr ihr Dirndl beim Tanz im Auge zu haben, sondern konnten auf ihre Mittänzer achten, mit denen sie Takt und Bewegungsgleich agieren mussten.

Der Plattler wandelte sich vom Mittel zum Zweck, dem Liebeswerben, zum Selbstzweck, dem Tanz an sich. Somit ist der Weg in Richtung Männertanz eingeschlagen. Zwei wesentliche Voraussetzungen für den Burschenplattler entstanden:

Erstens, das gemeinsame, gleichartige und gleichzeitige Schlagen um 1818 in der Ramsau. Und zweitens die Sonderaufstellung der Plattler von den Dirndl um 1858 im Miesbacher Gebiet.

Prof. Karl Horak schreibt: "Die Entwicklung zum reinen Burschentanz widerspricht dem Wesen des Werbetanzes. Trotzdem hat er auch in dieser Form seine Berechtigung." Auch der bayerische Trachtenverband bezeichnet den Burschenplattler als wichtigen Bestandteil des Brauchtums. Im gebirgigen Teil des Chiemgaues wird er bevorzugt praktiziert.

Die meisten anderen Burschentänze sind durch berufsmäßige Bindung (Schäffler, Bergleute) einem kleinen Kreis vorbehalten. Es ist zu begrüßen, dass sich im Schuhplattler-Burschentanz wieder ein richtiger Männertanz (Ausdruck überschäumender Kraft und Lebensfreude) entwickelt hat. Man sollte ihn pflegen - wir tun es.

Aus: Heimat- und Trachtenbote Nr. 22 und 23, 1987